Gerhard Anschütz (1867-1948) ist den meisten Juristen als der maßgebliche
Kommentator der Weimarer Reichsverfassung bekannt. Vielen gilt er als einer der
letzten Positivisten. Manche wissen, daß er sich 1933 mangels innerer
Verbundenheit mit dem nationalsozialistischen Staatsrecht hat emeritieren
lassen. Über seine Biographie, die ihn zum überzeugten Demokraten hat werden
lassen, und über die Genese seiner Werke, aus denen eine ebenso etatistische
wie liberale Gesinnung spricht, ist wenig bekannt. Die hier erstmals
vollständig edierten Lebens- erinnerungen von Anschütz geben einen tiefen
Einblick in die Entwicklungsgeschichte dieses berühmten Juristen und zugleich
in die Sozialisation einer ganzen Juristengeneration.