Fluchtafeln sind Primärzeugnisse für eine in der Antike weit verbreitete
besondere magische Praxis. Diese Metalltäfelchen, meistens aus Blei, wurden für
ein Ritual gefertigt und beschriftet, das darauf abzielte, mit übernatürlichen
Mitteln die Handlungen oder das Wohlergehen von Menschen (und Tieren) gegen
deren Willen zu beeinflussen. Zweck dieses Schadenzauber-Rituals war es,
Rivalinnen und Rivalen aller Art (etwa in der Liebe, im Wettkampf oder vor
Gericht) unschädlich zu machen oder aber Gerechtigkeit und Rache für ein
erlittenes Unrecht, meist Diebstahl oder Betrug, zu erlangen Die
Metalltäfelchen wurden nach ihrer Beschriftung in Gräbern, Brunnen oder anderen
´magischen´ Orten deponiert und blieben so erhalten. Über ein Jahrhundert nach
der Publikation eines ersten Corpus durch Auguste Audollent (1904) ist es an
der Zeit, eine aktuelle Sammlung dieser Quellengattung zu bieten, zumal das
Interesse der Forschung an der antiken Magie und ihren Ritualen seit einigen
Jahrzehnten ständig wächst. Der vorliegende Band stellt den vollständigen Text
der 382 bisher bekannt gewordenen und lesbaren lateinischen Fluchtafeln bereit.
Zu jeder Tafel bietet er sowohl eine exakte philologische Transkription als
auch einen Lesetext, außerdem Angaben zur Datierung, zum Fundort und zum
archäologischen Kontext, zu Material und Manipulation und zum Inhalt der Tafel
sowie zu früheren Publikationen. Das aktuelle Corpus lateinischer Fluchtafeln
wird so eine Grundlage für philologische und historische Untersuchungen zu
einer faszinierenden antiken Quellengattung.