Schamanische Techniken und Weltbilder haben in den letzten dreiaig Jahren eine
zunehmende Aufmerksamkeit in westlichen Gesellschaften erfahren und zur Bildung
eines religiosen Feldes gef hrt, das haufig als Neo-Schamanismus bezeichnet
wird. Das vorliegende Buch analysiert dieses Feld in seinem
kulturgeschichtlichen Kontext und zeigt auf, dass der moderne Schamanismus, der
eine Popularisierung akademischer Wissensbestande darstellt, keineswegs als ein
ganzlich neues Phanomen zu interpretieren ist. Vielmehr ist er Teil einer
Faszinationsgeschichte des Schamanismus, die sich bis ins siebzehnte
Jahrhundert zur ck verfolgen lasst. Nach einer Beschreibung der ambivalenten
Haltung europaischer Beobachter zum Schamanen als einem religiosen Spezialisten
- wobei der Schwerpunkt auf Aufklarung und Romantik liegt -, werden die
zentralen Begriffe des gegenwartigen euro-amerikanischen Schamanismus-
Diskurses, namlich Natur- und Seelenkonzepte, in ihrer Verbindung mit
esoterischen und naturphilosophischen Traditionen der westlichen Neuzeit
interpretiert. Die Verschrankung von Esoterik und Aufklarung, von
Irrationalismus und Rationalismus, erweist sich dabei als ein Strukturelement
der euro-amerikanischen Geistesgeschichte (Peeters 2003)