Das Recht ist eine wesentliche Entstehungsbedingung moderner Literatur. Unter
diesem Gesichtspunkt ist Literatur als justitiabel, als Gegenstand der Gerichte
und des Rechts zu begreifen. Die Literaturgeschichte ist demnach auch entlang
von Verrechtlichungsprozessen zu beschreiben: Die Zensur, das Urheberrecht und
das Persönlichkeitsrecht sind dabei nur drei Beispiele aus einer Vielzahl
rechtlicher Bestimmungen, die prägenden und nachhaltigen Einfluss auf die
Entstehung und Wirkung von Literatur haben. Im vorliegenden Sammelband gehen
Literatur- und Filmwissenschaftler ebenso wie Juristen diesem komplexen
Verhältnis nach: In 15 Fallanalysen zur deutschsprachigen Literatur von der
Aufklärung bis zur Gegenwart sowie zum Film und zum Comic stellen sie besonders
markante und aufschlussreiche Beispiele für das wechselseitige
Bedingungsverhältnis von Literatur und Recht dar. Dabei wird vielfältig
erkennbar, dass und wie Literatur in das juristische Gebiet hineinwirkt und
dass der juristische Rahmen unabdingbar zum Verständnis literarischer Texte und
literatursoziologischer Prozesse ist.