Sitzreihe 12 war die letzte, die zwischen Tortellini und Hühnchen wählen
durfte. Ich saß in Reihe 13. Schon auf dem Hinflug hätte mir klar sein können,
dass der Jahresurlaub zum Albtraum wird. Wer an allem schuld ist, ist für
Matze sowieso klar: seine Freundin Sina. Während er in endlosen Verhandlungen
die neue Eigentumswohnung klargemacht hat, sollte sie einfach nur irgendwas
buchen. Hat sie auch. Doch musste dieses irgendwas ausgerechnet eine
zweiwöchige Gruppenreise durch Namibia sein, ein Land, in dem jede hüftkranke
Schildkröte schneller ist als das Internet? Was hat er denn verbrochen, dass
man ihn nun täglich in einen Kleinbus voller Bekloppter sperrt, um ihn dann zu
österreichischen Schlagern über afrikanische Schotterpisten zu rütteln? Und
warum stolpert er bei minus zwei Grad in einem albernen Wanderhut über die
Dünen der Kalahari, statt auf Mallorca ein Bierchen zu schlürfen? Als Matze
dann noch daran erinnert wird, dass die sicher geglaubte Wohnung an andere
Käufer geht, wenn er nicht sofort die fünftausend Euro Reservierungsgebühr
überweist, hat er gleich noch drei neue Probleme: Das nächste Internetcafé ist
fünfhundert Kilometer entfernt, der Handyakku plattgedaddelt und das einzige
Ladegerät fest in österreichischer Hand. Ich drücke meine Nase ans Busfenster
und blicke hinaus ins weite Land. Die Namibier winken uns und lachen. Klar
lachen sie, sie sind ja frei. Wir nicht. Wir sind die in Blech gepackte Rache
für die deutsche Kolonialzeit.

