Die kurzgefaßte Schrift eines Derwischs aus dem 16. Jahrhundert - Nuzhat el-
arwâh - låßt den Gottessucher auch heute noch verstehen, wie wichtig es für ihn
ist, sich der Leitung eines Meisters anzuvertrauen, hatte doch schon Abû Yezîd
erklårt: «Wer keinen Lehrer hat, der ihn belehrt, dessen Imam ist der Satan,
vor dessen Trug ich fliehe». -.So erzåhlt auch Meister Abu ´l-Qâsim El-
Qusheirî, daß sein eigner Lehrer Abû ´Alî Daqqâq gesagt habe: «Wenn ein Baum
aufkeimt, ohne daß ein Gårtner ihn gepflanzt, so wåchst er nicht; wenn er aber
wåchst, so bringt er keine Frucht, wenn er Frucht bringt, so ist diese ohne
Nahrung und Geschmack; so ist nun der Ler nende ohne Lehrer diesem darin
gleich, daß er nicht wåchst.» Die wiederentdeckte kleine philosophische Schrift
´Omar Ben-Suleimâns ist ein grundlegender auf Koran und der heiligen Tradition
aufbauender Text zur Mystik des Islam. In einer Vereinigung von Poesie und
Speculation (Krehl) legt er die Hauptlehren des Sufitums dar. In der deutschen
Übersetzung von 1848 erschienen, ist es ein altertümlicher Text, doch auch
heute entfaltet er noch seinen Charme.